Betreuungskräfte Priska und Claudia im Interview

Betreuungskräfte Priska und Claudia im Interview

Als Betreuungskräfte versüßen wir den Tag

Priska und Claudia erzählen von Ihrer Arbeit

Priska und Claudia sind Betreuungsassistentinnen (auch Betreuungskraft genannt) im Haus der Pflege. Betreuungskräfte nach §43b SGB XI unterstützen Pflegebedürftige in stationären Pflegeeinrichtungen durch zusätzliche Betreuungs- und Aktivierungsangebote, um deren Lebensqualität zu verbessern. Sie sind keine Pflegekräfte.

Was ist eine Betreuungsassistentin in euren Worten?

Claudia: Als Betreuungskraft versüße ich den Bewohnern den Tag. Damit der Tag nicht so lang wird und die BewohnerInnen außerhalb der Pflege noch Ansprechpartner haben. Ich bin für die BewohnerInnen da, egal ob an fröhlichen oder traurigen Tagen und auch an den Tagen, wo das Leben zu Ende geht. Da haben viele Angst alleine zu gehen. Das bedeutet für mich, du bist als Betreuungskraft fast ALLES.

Priska: Du bist in jeder Lebenssituation mit dabei: Ob die Bewohner traurig sind oder Freude haben, und auch wenn es zum Sterbeprozess kommt. Es bedeutet einfach, bis zum Schluss in jeder Lebenssituation dabei zu sein.

Claudia: Für manche Bewohner bist du auch Familienangehöriger, der eine sagt „Mama“ zu dir, der andere denkt du bist die Schwester. Bei familiären Problemen bist du Seelsorger, und sie kommen auch mal zu dir, wenn sie auf Toilette möchten.

Betreuungskräfte Priska und Claudia halten ein Schild mit "Komm ins beste Team"
Betreuungskräfte Priska und Claudia suchen Kollegin | Foto: Amelie Witt
Betreuungskraft Priska
Betreuungskraft Priska | Foto: Helmut Witt

Wie seid ihr in die Betreuung gekommen?

Priska: Angefangen habe ich als Reinigungskraft und dann war ich Wohnbereichsassistentin und habe dort hauswirtschaftliche Tätigkeiten gemacht. Dabei habe ich gemerkt, dass ich mich sehr gerne mit unseren BewohnerInnen beschäftige. Der Chef hat mich dann gefragt, ob ich die Ausbildung zur Betreuungskraft machen möchte. Seit 2019 machen die Arbeit.

Claudia: Ich war vorher in der Pflege, durfte aber nach meinem Bandscheibenvorfall und der OP nicht mehr schwer heben und habe dann das Zertifikat zur Betreuungskraft gemacht. Bezahlt wurde dieser Kurs vom Arbeitsamt, da ich ja durch meine Krankheit arbeitslos geworden bin. Als ich gehört habe, dass im Haus der Pflege jemand gesucht wird, habe ich mich beworben. Ich bin jetzt schon 8 Jahre hier und hab es nicht bereut.

Amelie: Wie sieht ein Arbeitstag bei euch aus?

Priska: Wir richten am Morgen einen Wagen, mit Spielen und Materialien. Dann gehe ich auf den Wohnbereich, begrüße die Leute und wir sprechen miteinander, z. B. über das Wochenende. Ab 10:30 Uhr machen wir Gruppe. Ich fange immer mit einem Gebet und einem Lied an und mache Gymnastik, um die Leute zu aktivieren. Dann sind sie fit für meine eigentliche Aktion, heute gab es zum Beispiel Gedächtnistraining.

Auch zuhause mache ich mir schon Gedanken, was ich machen könnte. Neulich war ich im Wald und habe Vogelzwitschern für die BewohnerInnen aufgenommen. Aber man muss auch flexibel sein. Bei gutem Wetter sind die BewohnerInnen viel aktiver als bei Schlechtem. So variiere ich dann. Ich beende die Einheit vor dem Mittagessen mit einem Tischgebet und erzähle, was es zu Mittag gibt.

Claudia: Bei mir ist das ein bisschen anders, da ich zwischen den Wohnbereichen springe. Ich brauche also oft mehrere Pläne, denn das Klientel variiert zwischen Demenzkranken und fitteren bzw. orientierten BewohnerInnen. Die BewohnerInnen müssen auch nicht genau das machen, was ich ihnen vorschlage, ich frage manchmal auch, wozu sie Lust haben. Letzte Woche haben sie sich das Galgenmännchenspiel und Rechenaufgaben gewünscht, und dann mache ich das natürlich. An manchen Tagen denke ich: „Heute habe ich die Bewohner richtig erreicht!“ Und da fühlt man sich gut.

Betreuungskraft Claudia
Betreuungskraft Claudia | Foto: Helmut Witt

Was mögt ihr am meisten an eurer Arbeit?

Claudia: Ich finde es am schönsten, wenn man gemeinsam so richtig herzhaft lachen kann, denn unsere BewohnerInnen hauen manchmal so trockene Sprüche raus, das ist so lustig. Und du siehst, dass unsere BewohnerInnen trotzdem – auch wenn sie jetzt weniger haben als zuhause- zufrieden sein können. Und manche Menschen, die haben alles und sind so unzufrieden, die können sich von unseren Senioren eine Scheibe abschneiden.

Priska: Einfach nur ein Lächeln zurückzubekommen, das ist das Beste. Heute Morgen habe ich Fr. J. begrüßt und sie hat gesagt: „Ach, schön, dass du wieder da bist, ich komm sofort mit dir mit!“

Claudia: Und wenn man früh kommt und hat Materialien auf einem Wagen dabei, dann sind sie schon ganz gespannt und fragen aufgeregt: „Was machen wir heute“? Ich sag dann oft „Lass dich überraschen“ (lacht).

Priska: Hier im Haus der Pflege haben wir die Freiheit, unsere Arbeit selbst zu gestalten. Auf Fortbildungen höre ich, dass es anderswo anders ist. Zum Beispiel bekommen wir Material für alles, was wir brauchen und neue Ideen besprechen wir im Team und überlegen gemeinsam, wie man das umsetzen kann.

Priska: Und auch die Absprache mit der Pflege klappt gut, wenn wir Neues ausprobieren wollen. Im Teamgespräch mit den Wohnbereichen bekommen wir Rückmeldung von der Pflege. In anderen Einrichtungen stehen die Betreuungskräfte alleine da.

Claudia: In anderen Einrichtungen gibt es einen festen Plan für das Beschäftigungsteam, der schon 2-3 Wochen im Voraus steht. Und wir können uns das wirklich selbst einteilen, je nach dem, was die BewohnerInnen gerade brauchen und wie auch das Wetter und die Stimmung gerade ist.

Priska: Und wenn du dann das Lächeln siehst, dann weißt du, du hast alles richtig gemacht.

Claudia: Ich hatte auch schon tolle Pläne vorbereitet und die BewohnerInnen hat es nicht interessiert. Und dann habe ich mich nur an den Tisch gesetzt und mich mit Ihnen unterhalten, da waren dann alle dabei.

Betreuungskräfte mit Bewohnerin auf einer Bank
Betreuungskräfte mit Bewohnerin | Foto: Amelie Witt

Was ist das Wichtigste für die BewohnerInnen?

Priska: Aufmerksamkeit und dass man Ihnen zuhört. Und dass man sich die Zeit nimmt und sie nicht vertröstet.

Claudia: Und dass man ihnen das Gefühl vermittelt, dass sie etwas wert sind. Wertschätzung ist ganz wichtig.

Wer soll sich bei uns als Betreuungskraft bewerben?

Claudia: Diejenige sollte aufgeschlossen und flexibel sein und irgendwie in jeder Kategorie dazu passen: Egal ob backen, Handarbeit, Gedächtnistraining, spazieren gehen, sie sollte auch redegewandt sein. Denn die BewohnerInnen sitzen da und warten, dass du etwas sagst. Geduld und Humor ist auch immer wichtig.

Priska: Wir springen auch füreinander ein, wenn mal jemand ausfällt. Es sollte also auch jemand sein, der/die gut mit uns im Team zusammenarbeitet. Und natürlich sollte sie auch gut feiern können (lacht). Denn wir haben viele Feste, zum Beispiel bei unserer Schlagerparade.

Claudia: Beim letzten Mal haben sogar Angehörige mitgetanzt, als der Senioren-DJ da war!

Und ihr macht aber auch echt tolle Sachen! Was gibt es alles?

Priska: Wir haben regelmäßig Gottesdienste, wir hatten das Korbtheater und verschiedene Chöre da, an Fasching war die Garde da, dann gibt’s noch das Oktoberfest und ein großes Sommerfest im Innenhof. Bald ist wieder ein italienischer Abend und auch ein Grillabend ist geplant. An heißen Tagen machen wir ein Fußbad im Planschbecken. Und wenn sie nur die Füße ein bisschen ins Wasser hängen, da braucht es oftmals nicht viel.

Claudia: … vor Corona hatten wir Adventskaffees und Geburtstagskaffees im Wintergarten

Priska: Seit Corona haben wir diese Veranstaltungen auf die Wohnbereiche verlegt und das tut den demenzkranken BewohnerInnen gut, denn dort fühlen sie sich mehr zu Hause. Der Wintergarten verwirrt sie oft.

Wenn ihr mal nicht arbeitet, was macht ihr privat gerne?

Claudia: Ich treffe mich gerne mit Familie und Freunden und gehe gerne tanzen. Ich setze mich auch gerne an den Main oder ins Solarium und komme so einfach vom Arbeitsalltag runter.

Priska: Mein Hund ist mein Ausgleich. Mein Mann sagt: Nimm den Hund und geh und in einer Stunde bist du dann wieder runtergefahren. Und natürlich dann Familie und Freunde und einfach das Leben genießen.

Claudia: Und ganz wichtig ist – ich spreche für uns beide – der Urlaub, in dem wir einfach mal abschalten können und keine Nachrichten aus dem Haus der Pflege bekommen.

Wenn ihr eine Sache von unseren BewohnerInnen gelernt habt, was ist diese Sache?

Priska: Das Leben so anzunehmen, wie es ist…

Claudia: … und dass man auch mit wenig zufrieden und glücklich sein kann.

 

Vielen Dank für das tolle Gespräch!

 

Interesse an der Arbeit als Betreuungskraft im Haus der Pflege?

Hier findest du alle Infos zur Stelle als Betreuungskraft im Haus der Pflege.

Hier kann man die Ausbildung (Kitzingen und Umgebung) machen.

Hier gibts noch mehr Infos zur Ausbildung.

Kommentar schreiben

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.